Hundesport Agility: Immer eine spannende Wendung mehr

03.08.2019

Sieht schnell aus und ist auch so: Agility zählt zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen aller Hunde und ihrer Herrchen und Frauchen, die Spaß an Bewegung haben und gerne ebenso schnell wie geschickt über mit Hindernissen gespickte Plätze sausen. Allerdings gibt es dabei – wie bei jedem anderen Hundesport auch – für den optimalen Spaßfaktor einiges zu beachten.

Agility: Ein relativ junger Hundesport mit Suchtfaktor

Die ersten Ansätze wurden 1978 auf der englischen Crufts Dog Show präsentiert und schwappten 1988 nach Deutschland und in andere deutschsprachige Länder über. Auch dort wurden sowohl Training wie auch Wettkämpfe schnell bekannt und beliebt. Wie gut, dass 1991 schließlich die ersten offiziellen Regeln durch die Fédération Cynologique Internationale (FCI) festgelegt wurden und somit alle Hund-Mensch-Teams wussten, wie der nicht vorhandene Hase laufen sollte.

Denn tatsächlich kommt es hier nicht auf den Jagdeifer, sondern die Geschicklichkeit und Koordination bei hohem Tempo an. Folgerichtig muss jeder Hund auf einem zumindest 20 x 40 Meter großen Feld 12 bis 20 verschiedene Hindernisse überwinden und so schnell wie möglich eine Strecke von etwa 100 bis 200 Meter zurücklegen.

Dabei werden die teilnehmenden Teams nur wenige Minuten vor dem Start über den konkreten Laufweg informiert, wobei die Hundeführer vorher etwas Zeit zum Ablaufen und Merken der Reihenfolge bekommen. Der Trick am Ganzen ist dann, den Hund nur per Körpersprache und Stimme durch den Parcours zu führen – und zwar ohne Hilfsmittel jedweder Art.

Ziel der Sache ist es wie gesagt, dass der Hund alle Hindernisse möglichst schnell und fehlerfrei überwindet und durch den Parcours läuft. Das Abwerfen von Stangen oder eine zu langsame Zeit ziehen Strafpunkte nach sich. Sollte ein Hund allerdings ein Hindernis gar nicht bewältigen, einen falschen Weg laufen oder dreimal am Hindernis das Weitermachen verweigern, ist leider Schluss und das Team wird disqualifiziert.

Klingt aufwendig und nach viel Adrenalin? Damit liegst Du vollkommen richtig! Aber keine Angst – es muss nicht immer gleich der Wettkampf auf höchstem Niveau sein, damit Dein Hund und auch Du voll auf eure Kosten kommt. Und überhaupt lohnt es sich zu wissen, welche Herausforderungen dabei grundsätzlich auf euch warten.   

Diese Hindernisse gilt es beim Agility zu überwinden

Zu den beliebtesten Hindernissen gehören

  • Tunnel,
  • Laufstege*,
  • Slalomstangen,
  • Sprunghindernisse (wie Stangenhürden oder Reifen),
  • Wippen* und
  • Schrägwände*.

Der Clou bei Kontaktzonen-Hindernissen (mit * markiert) liegt darin, dass Auf- sowie Abgänge bestimmte farblich markierte Bereiche besitzen. Diese muss Dein Hund mit zumindest einer Pfote berühren, um keinen Fehlerpunkt zu kassieren. Das bewirkt zwar eine Drosselung der Geschwindigkeit, hat aber den Vorteil, dass die Gelenke des Hundes geschont werden und er nicht so schnell stürzen kann. Um eine noch höhere Sicherheit zu gewährleisten, sind die Kontaktzonen aus rutschfestem Material angefertigt und oft noch zusätzlich mit führenden Leisten versehen.

Eine besondere Variante beim Agility stellt das Jumping dar, in dem die Kontaktzonen-Hindernisse fehlen. Bei diesem Hundesport darf Dein Vierbeiner nach Lust und Laune springen und somit sehr schnell durch den Parcours sausen. Aber wie bei vielen Dingen im Leben gilt auch hier: Je höher der Speed, desto schneller passieren Flüchtigkeitsfehler …

Welches Ziel versteckt sich hinter Agility?

Der Hindernislauf ist eine perfekte Gelegenheit für ein Hund-Mensch-Team, um zu zeigen wie geschickt es ist und wie gut die jeweils Beteiligten miteinander harmonieren.

  • Dabei kann Dein Hund beweisen, wie gut er auf Deine Kommandos hört und wie schnell er reagieren kann.
  • Und im Umkehrschluss ist es Deine Aufgabe, ihn mit klaren Kommandos sicher über oder durch verschiedene Hindernisse zu lenken. Von besonderer Wichtigkeit sind dabei die Wechsel und Drehungen, wenn die Streckenführung wechselt, denn hierbei lässt sich eine Menge Zeit einsparen. Davor musst Du Deinem Liebling erst einmal die Sicherheit vermitteln, das Ganze überhaupt anzugehen. Schließlich ist beispielsweise das Überqueren einer Wippe nicht jedem Hund direkt in die Wiege gelegt.

Kurz gesagt: Hier werden sowohl Hund als auch Mensch in puncto körperlicher und geistiger Koordination aufs Höchste gefordert. Kein Wunder also, dass es sich um einen sehr beliebten Hundesport für alle handelt, die sich ab und an einmal richtig auspowern wollen.

Für welche Hunde eignet sich Agility?

Bewegung, Ausdauer, Koordination – klingt ja erst einmal alles sehr gut und somit für viele Hunde geeignet. Tatsächlich verlangt es den Hunden denk- und gelenktechnisch aber sehr viel ab. Konsequenterweise solltest Du Dir genau überlegen, ob Dein Hund mit dieser doch sehr fordernden Hundesportart zurechtkommt. Denn um diese Hundesportart gesund zu betreiben,

  • muss Dein Hund mindestens 4 Monate alt sein (damit die noch im Aufbauprozess befindlichen Knochen und Gelenke nicht überbelastet werden),
  • darf Dein Hund keiner großen, schweren Hunderasse (wie Bernhardiner oder Neufundländer) oder einer niedrigen Hunderasse mit langem Rücken (wie Dackel oder Basset) angehören,
  • und darf keine bereits diagnostizierten Gelenkprobleme (z.B. Hüftgelenkdysplasien) oder andere Handicaps besitzen.

Ein gründlicher Check beim Tierarzt ist also das Beste, was Du vor dem offiziellen Trainingsstart tun kannst. Doch denke bitte daran Deinen Hund auch bei grünem Licht vom Tierarzt nicht zu überfordern.

Viele Hunde (insbesondere sehr aufmerksame und leicht überreizte Hunde wie Border Collies) reagieren bei häufigen und sehr intensiven Trainingseinheiten irgendwann mit Überforderung, weil sie einem hohen Stresslevel ausgesetzt sind. Und so wird aus dem eigentlich als Spiel und Spaß angedachten Training eben ein Höher-Schneller-Weiter, in dem der Hund nicht mehr zur Ruhe kommt. Das muss ja nicht sein und ist gerade bei eigentlich ruhebedürftigeren und ohnehin schnell aufgebrachten Vierbeinern ziemlich kontraproduktiv.

Was spricht für, was spricht gegen Agility?

Wie schon angesprochen ist das Bewegungstraining prima 

  • um das Vertrauen im Hund-Mensch-Team zu intensivieren,
  • für die körperliche und geistige Fitness Deines Hundes (Koordination, Konzentration, Kombinationsvermögen),
  • und für die sozialen Kontakte, die sowohl Du als auch Dein Hund bei einem entsprechenden Gruppentraining oder Wettbewerb knüpfen können.

Andererseits darfst du auch nicht vergessen, dass

  • manche Hunde aufgrund ihrer körperlichen Gegebenheiten einfach nicht gut und gesund trainieren können,
  • es ein sehr zeitaufwendiges Sportprogramm ist,
  • der Stressfaktor für den Hund bei einem sehr intensiven Training recht hoch sein kann und
  • auf jeden Fall ein geeigneter Parcours her muss, bei dem das Zubehör recht teuer werden kann, unabhängig davon, ob Du sie Dir selbst zulegst oder einen Hundeschul-Platz gegen Gebühren mitnutzen darfst.

Also: Alles in Maßen und am besten in Kombination mit geeigneten Entspannungs- und Beruhigungsmöglichkeiten.

Agility für Zuhause

Dieser Hundesport-Typ passt grundsätzlich zu Deinem Fellbündel und Dir, Du empfindest euch aber trotzdem nicht als Wettkampf-Kandidaten? Macht doch nichts, dann meldet ihr euch eben bei einer Hundeschule in einer reinen Hobbytruppe an.

Und davon abgesehen lassen sich bestimmte Elemente auch ohne Hundeschule in das Alltags- und Freizeitleben einbauen. So kannst Du zum Beispiel einfach einen Sacktunnel oder Slalomstangen organisieren und Deinen Hund damit vor eine Aufgabe stellen. Oder Du leitest ihn über große, flache Steine oder lässt ihn auf einem sehr stabil liegenden Baumstamm balancieren. Auf diese Weisen lassen sich kleinere Agility-Aspekte ganz leicht in das tägliche Spiel integrieren und ihr werdet beide gleichermaßen gefordert.

Und wenn euch der Spaß an Bewegung in eine ganz andere Richtung wie Mantrailing, Gehorsamsübungen oder Disc Dogging führt, warum auch nicht? Die artgerechten Beschäftigungsmöglichkeiten für Hunde sind quasi grenzenlos.

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