Geschirr versus Halsband Was ist besser für meinen Hund – und für mich?

01.09.2018

Mit dieser Frage plagt sich jeder Hundebesitzer herum. Neulinge sowieso, aber auch alte Hasen kann es treffen, wenn ein neuer Hund ins Haus kommt, der mit seiner Power seinen Vorgänger, der nie ein Brustgeschirr getragen hat, zur schlappen Schnarchnase degradiert. In diesem Ratgeber findest Du die Vorteile und Nachteile von Hundegeschirren und Halsbändern und viele nützliche Tipps zu diesem Thema, das in der Hundebesitzer-Community durchaus kontrovers diskutiert wird.

Als ich vor rund 20 Jahren mit meinem Golden Retriever in die Hundeschule gegangen bin, trug dort kein einziger Hund ein Geschirr. Und bei der Hundeausbildung haben wir noch gelernt, dass der freilaufende Hund, wenn er auf den Befehl „Hierhin“ nicht kommt, folgendermaßen gemaßregelt wird:

Man geht zum Hund, nimmt ihn an die kurze Leine, geht zurück zu der Stelle, an der man ihn das erste Mal gerufen hat und zieht den Hund ruckartig mit sich, wobei man jedes Mal den Befehl „Hierhin“ wiederholt. Das Ganze zieht man durch, bis man zu der Ausgangsstelle gekommen ist.

„Horror!“, denkst Du? Ich mittlerweile auch.

Aber vor 20 Jahren sind auch noch viele Hunde mit Stachelhalsbändern herumgelaufen. Und die Hundebesitzer, die ihrem Hund das Halsband mit den Stacheln nach außen angelegt haben, galten schon als große Hundefreunde. Viele Hunde mussten die Stacheln am Hals ertragen, wenn sie an der Leine gezogen haben oder zu Erziehungszwecken von ihrem Besitzer gemaßregelt wurden, indem der sie an der Leine zu sich gezogen hat.

Laut Wikipedia ist der Einsatz von Stachelhalsbändern in Deutschland nicht generell verboten, kann aber im Einzelfall „auf der Basis von § 3 Nr. 5 Tierschutzgesetz von den Vollzugsbehörden unterbunden und mit einer Geldbuße von bis zu 25.000 € geahndet werden. Weiterhin ist in zahlreichen Prüfungsordnungen für den Hundesport der Einsatz von Stachel- oder Würgehalsbändern jeder Form verboten. Auch viele Vereine verbieten auf ihren Anlagen den Einsatz ausdrücklich.“

Stachelhalsbänder sind also zum Glück heutzutage in der Öffentlichkeit nicht mehr zu sehen, dafür tragen aber immer mehr Hunde Brustgeschirre, weshalb sich ein genauer Blick auf die Vor-und Nachteile der verschiedenen Modelle von Hundegeschirren lohnt. Eins gleich vorab: Wenn Dein Hund an der Leine zieht, ist das ein Erziehungsproblem und kann nicht durch das Tragen von einem Brustgeschirr gelöst werden!

Doch zunächst einmal eine Übersicht über die verschiedenen Modelle von Brustgeschirren.

Welche Arten von Brustgeschirren stehen zur Auswahl?

Norwegergeschirr

Das Norwegergeschirr hat einen waagerechten Brustgurt. Der Brustgurt führt zu einem Rumpfgurt. Dieser wird hinter den Vorderbeinen des Hundes geschlossen. Viele Modelle des Norwegergeschirrs haben zudem am Rücken auch noch einen Tragegriff, mit dem man seine Fellnase festhalten kann.

Vorteile:

  • Der schlagende Vorteil des Norwegergeschirrs ist, dass man es dem Hund leicht an und wieder ausziehen kann. Es muss nur über den Kopf gezogen werden und dann kann auch schon der Brustgurt geschlossen werden. Fertig!
  • Viele Hunde akzeptieren das Norwegergeschirr besser als andere Modelle, weil es keinen Gurt zwischen den Vorderbeinen hat.

Nachteile:

  • Der Quergurt vor der Brust ist für manche Hunde unbequem.
  • Es ist nicht sehr schwer, sich aus dem Geschirr herauszuwinden. Deshalb solltest Du es nur mit großer Vorsicht bei sehr temperamentvollen oder zappeligen Hunden verwenden.

Sattelgeschirr

Das Sattelgeschirr ist genauso konstruiert wie das Norwegergeschirr, nur ist seine Rückenpartie breiter und erinnert an einen Sattel. Daher kommt auch der Name.

Vorteile:

Das Sattelgeschirr hat dieselben Vorteile wie das Norwegergeschirr.

Nachteile:

Ein Sattelgeschirr muss perfekt passen, damit es den Hund zwischen den Schulterblättern nicht behindert. Wenn der Sattel drückt, ist das sehr unangenehm für den Hund und kann zu verfilztem Fell und wunden Stellen führen.

Führgeschirr H-Form

Wie der Name schon vermuten lässt, bildest dieses Hundegeschirr ausgebreitet den Buchstaben „H“. Das Geschirr hat einen Rückensteg, daran sind zwei Schlaufen befestigt. Die vordere Schlaufe wird um den Hals geführt, die hintere um den Brustkorb. Beide Schlaufen sind durch einen Gurt verbunden.

Vorteile:

Große Bewegungsfreiheit für den Hund

Nachteile:

Für Neulinge ist es etwas fummelig, das Geschirr richtig einzustellen. Aber das muss sein, denn der Halsgurt darf auf keinen Fall auf die Luftröhre drücken.

Was muss ich bei der Wahl eines Hundegeschirrs beachten?

Bevor Du Dich mit den verschiedenen Modellen beschäftigst, solltest Du Dir überlegen, aus welchem Material das Brustgeschirr für Deine Fellnase sein soll.

Material

Am häufigsten werden Nylon oder Leder verwendet. Leder hat den Vorteil, dass es oft edler aussieht, das schlägt sich aber auch im Preis nieder. Und Leder muss gepflegt werden, damit es lange hält. Wenn Deine Fellnase oft Baden geht und dabei das Geschirr anhat, ist Leder keine gute Wahl. Nylon ist pflegeleichter und in der Regel preisgünstiger.

Passgenauigkeit

Ein Geschirr muss richtig sitzen, sonst erleidet Dein vierbeiniger Freund bei regelmäßiger Benutzung gesundheitliche Schäden. Deshalb sind Brustgeschirre mit möglichst vielen Einstellmöglichkeiten eine gute Sache.

Um die richtige Größe für Deinen Hund herauszufinden, werden meist zwei Maße verlangt: Der Brustumfang – der wird kurz hinter den Vorderbeinen gemessen - und der Halsumfang. Solltest Du mit den Maßen Deines Hundes zwischen zwei Größen liegen, dann ist es in der Regel besser, sich für das größere Modell zu entscheiden und die passgenauen Regulierungen an den einzelnen Gurten vorzunehmen.

Verarbeitung

Wie bei so vielen Dingen, lohnt es sich meist auch beim Kauf eines Brustgeschirrs nicht, das Super-Duper-Billig-Angebot aus dem Discounter zu nehmen, weil das oft nicht allzu lange hält. Neben einer soliden Verarbeitung solltest Du besonders darauf achten, dass alle Riemen des Brustgeschirrs breit und gepolstert sind. Und – ganz wichtig! – in der Länge verstellbar. Das ist bei beiden Geschirren von Happilax der Fall.

Halsband versus Geschirr

Wie oben schon erwähnt, ist das Ziehen an der Leine ein Erziehungsproblem, das nicht dadurch gelöst wird, dass Dein Hund ein Halsband oder ein Brustgeschirr trägt. Und für Halsband und Hundegeschirr gilt: beide müssen gut sitzen, sonst schaden sie Deinem Hund.

Neben den persönlichen Vorlieben gibt es auch sachliche Gründe, warum ein Hund ein Halsband oder ein Geschirr tragen sollte. Mit einem Halsband ist der Hund in seiner Bewegungsfreiheit deutlich weniger eingeschränkt als mit einem Geschirr.

Das Hauptargument gegen Halsbänder ist, dass durch einen starken Ruck an der Leine der Kehlkopf in Mitleidenschaft gezogen oder sogar verletzt werden kann. Das ist nur bedingt richtig. Der Kehlkopf des Hundes ist an der Stelle, an der der Kopf in den Hals über geht. Das bedeutet, dass ein Halsband normalerweise unter dem Kehlkopf liegt, wenn es richtig angelegt worden ist. Der Kehlkopf kann meist nur dann verletzt werden, wenn man die Leine mit viel Kraft senkrecht nach oben zieht oder heftig an der Leine ruckt, wenn der Hund den Kopf gesenkt hält.

Die Halsmuskulatur von Hunden ist in der Regel wesentlich kräftiger als die von uns Menschen, deshalb können viele Hunderassen Zug auf der Leine auch besser ertragen als wir es könnten. Ausnahmen hiervon sind die ganz kleinen Fellnasen wie Malteser oder Chihuahuas. Für diese Hunde sind Brustgeschirre meist die bessere Wahl.

Du solltest Dich ebenfalls für ein Brustgeschirr für Deinen Hund entscheiden, wenn

  • er aus dem Tierschutz kommt und erst an Menschen gewöhnt werden muss
  • dein Hund sehr ängstlich oder sehr aggressiv ist

Das liegt daran, dass man den Hund mit einem Brustgeschirr in der Regel einfach sicher halten kann. Dazu kommt noch, dass es für viele Hunde kein Problem ist, sich aus einem Halsband zu winden.

Ebenfalls empfehlenswert ist ein Brustgeschirr für sehr agile und junge Hunde, die vor Kraft nur so strotzen – und denen man erst beibringen muss, dass man an der Leine eben nicht dauernd von einer Seite zu anderen springen kann, und dass es auch nicht angebracht ist, an der Leine einfach loszustürmen, weil man etwas Interessantes entdeckt hat.

Fazit

Brustgeschirr oder Halsband – das ist eine Entscheidung, die jeder Hundebesitzer nach seinem eigenen Gusto fällen muss. Generell kann man sagen, dass ein Brustgeschirr eine sehr sinnvolle Anschaffung ist, wenn Deine Fellnase einer sehr kleinen Rasse angehört. Oder wenn Du Dir einen ängstlichen und nicht an Menschen gewöhnten Hund aus dem Tierschutz geholt hast.

Achten solltest du beim Kauf eines Geschirrs immer auf eine gute Verarbeitung. Die diversen Gurte sollten verstellbar sein, damit Du das Geschirr Deinem Hund optimal anpassen kannst. Und alle kritischen Stellen, an denen das Hundegeschirr scheuern könnte, sollten gut ausgepolstert sein.

TIPP: Ein Hundegeschirr leistet auch gute Dienste, wenn der Hund im Auto nicht in einer Box transportiert wird, sondern am Sicherheitsgurt gesichert wird. Bei Happilax findest Du einen passenden Gurt für die Sicherung im Auto.

Teile Deine Gedanken mit uns