Hundehaftpflichtversicherung – ein MUSS für jeden Hundebesitzer

06.04.2019

In Deutschland besteht keine generelle Versicherungspflicht für Hunde. Ob der Hund versichert werden muss oder ob die Versicherung auf freiwilliger Basis geschieht, liegt an dem Bundesland in dem Du mit Deinem Hund lebst.

Eine Versicherungspflicht besteht in folgenden Bundesländern: Berlin, Hamburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen.Komplett freiwillig ist die Hundehaftpflicht in den Bundesländern Bayern und Mecklenburg-Vorpommern.

Für die Bundesländer Baden-Württemberg, Brandenburg, Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Schleswig-Holstein ist eine Pflichtversicherung abhängig von der Hunderasse.Wer in diesen Bundesländern einen Hund hat, der auf der Liste für gefährliche Hunde steht, ist verpflichtet, eine Hundehaftpflichtversicherung abzuschließen. 

Als gefährliche Hunde gelten in der Regel Hunde, die sich bereits als bissig erwiesen haben. Hunde, die Wild oder Vieh hetzen oder reißen oder Hunde, die „eine über das natürliche Maß hinausgehende Kampfbereitschaft, Angriffslust, Schärfe oder andere in ihrer Wirkung vergleichbare Eigenschaft entwickelt haben“ (Quelle: Landesgesetz über gefährliche Hunde (LHundG) Rheinland-Pfalz). American Staffordshire Terrier und Staffordshire Bullterrier, Pit Bull Terrier sowie Hunde, die von einer dieser Rassen oder diesem Typ abstammen, werden als gefährliche Hunde eingestuft. 

In NRW gilt sogar die Regel, dass jeder Hund, der über 40 cm hoch oder über 20 kg schwer ist, versichert werden muss. Wer mit seiner Fellnase in Bayern oder in Mecklenburg-Vorpommern lebt und sich jetzt freut, dass er keine Hundehaftpflicht abschließen muss, sollte Folgendes bedenken:Wenn Dein Hund einen Schaden verursacht, musst Du dafür gerade stehen und Deine eigene Haftpflichtversicherung wird den Schaden NICHT regulieren.

Mein Hund ist doch noch klein und tut niemandem etwas!

Wenn Du jetzt einwendest, dass Dein kleiner Liebling ja noch ein Baby ist und ganz bestimmt keinen Schaden anrichten wird: auch Welpen können durchaus für Schäden sorgen. Hier ein Klassiker… mein Welpe hat sich an meiner neuen und sündhaft teuren Brille vergriffen. Ich konnte sie ihm gerade noch entreißen, bevor er den Bügel restlos vom Gestell genagt hat.In einem solchen Fall würde die Hundehaftpflicht nur zahlen, wenn auch Schäden beim Besitzer mitversichert sind. Dazu später mehr. Aber wenn mein kleiner Liebling die Brille eines Besuchers erwischt hätte, wäre das ein Fall für die Hundehaftpflichtversicherung gewesen.

Eine weitere Gefahrenquelle ist, dass auch ein Welpe sich losreißen, auf die Straße rennen und einen Unfall verursachen kann. Die Schäden, die hierbei entstehen können, bewegen sich in ganz anderen Dimensionen als nur eine kaputte Brille. Wenn Du in so einem Fall Deinen Hund nicht versichert hast, kannst Du unter Umständen den Rest Deines Lebens für die entstandenen Kosten aufkommen.

Mein Hund ist gut erzogen und richtet bestimmt keinen Schaden an!

Schön, wenn Du so viel Vertrauen zu Deiner Fellnase hast! Aber auch ein wirklich gut erzogener Hund kann in Situationen verwickelt werden, in denen es dazu kommt, dass er einen anderen Hund beißt. Und jetzt bist Du in der Pflicht, die Kosten für den Tierarzt zu übernehmen. Da können schnell ein paar Hundert und mehr Euro zusammen kommen, für die eine Hundehaftpflichtversicherung einspringen muss. 

Für welche Schäden ist eine Hundehaftpflichtversicherung zuständig?

Personenschäden

Beißt Dein kleiner Liebling einen Jogger, so ist das ein Personenschaden. Neben den Kosten für die ärztliche Versorgung des Joggers können in so einem Fall auch noch Schmerzensgeldforderungen gestellt werden.

Vermögensschäden

Ein Vermögensschaden wäre es zum Beispiel, wenn Du Deinen Hund vor einem Geschäft angeleint hast und Dein Hund eventuelle Besucher dieses Geschäftes durch Knurren und Zähnefletschen vergrault. Der Ladenbesitzer hat dadurch Umsatzeinbußen und erleidet damit einen Vermögensschaden.

Vermögensschäden können aber auch als Folge eines Personenschadens auftreten. Ein Beispiel hierzu wäre, dass Dein Hund jemanden in die Hand beißt, der aufgrund dieser Verletzung dann nicht mehr arbeiten kann. Bei einer Friseurin wäre das zum Beispiel der Fall.

Schäden an anderen Hunden

Das muss nicht weiter erläutert werden. Wenn Deine Fellnase einen anderen Hund beißt und dieser dann von einem Tierarzt versorgt werden muss, stehst Du in der Pflicht, für diese Kosten aufzukommen.

Spezialfall Welpe

Wenn Du für Deine Hündin eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen haben, sind in den meisten Fällen die Welpen dieser Hündin bis zum Alter von einem Jahr mitversichert.

Spezialfall Forderungsausfalldeckung

Und noch ein Spezialfall: Wenn Du oder Dein Hund durch einen anderen Hund verletzt wurdest, dessen Besitzer für den Schaden nicht aufkommen kann, kommt in vielen Fällen Deine eigene Hundehaftpflichtversicherung für Deine Kosten auf. Der Fachausdruck dafür ist Forderungsausfalldeckung.Hier lohnt es sich bei Abschluss der Versicherung genau nachzufragen und bei einer bereits bestehenden Versicherung das Kleingedruckte zu lesen.

Die obengenannten „normalen“ Schäden sind praktisch die Basics, die bei einer Hundehaftpflichtversicherung abgedeckt sein sollten. Wem das nicht reicht, der kann auch noch jede Menge Zusatzleistungen buchen, die dann den Preis der Versicherung aber auch in die Höhe treiben. Hier die gängigsten Zusatzleistungen.

Welche Zusatzleistungen gibt es bei einer Hunde-Haftpflicht Versicherung?

An erster Stelle steht hier die Versicherung gegen Deckschäden, weil so etwas immer mal wieder passieren kann. Deine Fellnase deckt eine läufige Hündin – und die Besitzer der Hündin sind damit so gar nicht einverstanden.

Überlegenswert ist auch, dass das sogenannte Fremdhüterrisikoversichert ist. Das gilt besonders dann, wenn Dein Hund öfter mal von einem Hundesitter betreut werden muss.Bei Abschluss einer solchen Zusatzleistung ist eine Person, die nicht zu Deinem Haushalt gehört, versichert, wenn Sie mit Deinem Hund Gassi geht.

Dann gibt es noch eine Zusatzleistung, die Schäden abdeckt, die Dein kleiner Liebling in einer gemieteten Wohnung anrichten könnte. Der Fachausdruck dafür heißt Mietsachschäden.

Wer plant, für längere Zeit im Ausland zu leben und seinen Hund mitnehmen will, kann sich auch gegen Schäden versichern, die der Hund im Ausland anrichten könnte.

Welche Schäden werden von einer Hundehaftpflichtversicherung in der Regel nicht übernommen?

Wie beim oben erwähnten Beispiel mit der Brille: wenn der Hund seinen Besitzer oder ein Familienmitglied des Besitzers schädigt, tritt die Versicherung nicht ein. Es sei denn, eine solche Leistung ist als Zusatzleistung vereinbart worden.

Wenn Du Schäden mit Vorsatz herbeigeführt haben solltest, wird die Hundehaftpflichtversicherung dafür nicht einspringen.Dasselbe gilt auch, wenn Du die Anzeigepflicht des Schadens nicht nach den Vorgaben der Versicherungsgesellschaft erledigst.

Es gibt Versicherungen, die bestimmte Hunderassen oder Mischlingshunde, die von solchen Rassen abstammen, nicht versichern. Dazu gehören oft Hunderassen, die als „Kampfhunde“ bezeichnet werden oder auf Listen für gefährliche Hunderasse stehen. Als Beispiele seien hier American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier sowie Pit Bull Terrier erwähnt. 

Für einen Hund, der schon einmal oder gar mehrmals Schäden verursacht hat, kann es schwierig werden, einen Versicherer zu finden, der diesen Hund versichert. Auf jeden Fall wird das den Preis für die Hundehaftpflichtversicherung erhöhen.

Wie hoch sollte die Deckungssumme einer Hundehaftpflichtversicherung sein?

Gesetzlich verpflichtend ist eine Deckungssumme von einer Million Euro. Da im Schadensfall – besonders bei langwierigen Unfallschäden, Reha-Maßnahmen, oder Arbeitsunfähigkeit des Geschädigten aber eine Million recht schnell aufgebraucht sein kann, empfiehlt es sich, eine Deckungssumme von 3-5 Millionen zu vereinbaren. 

Was kostet eine Hundehaftpflichtversicherung?

Das ist natürlich davon abhängig, ob Du nur einen „normalen“ Vertrag abschließt oder ob Du diverse Zusatzleistungen haben möchtest. Auch wird die Versicherung für einen American Staffordshire Terrier mehr kosten als für einen Golden Retriever.

Aber eine ausreichende Versicherung für einen Hund, der nicht als Kampfhund eingeschätzt wird und auf keiner Liste für gefährliche Hunde steht, sollte schon für einen Betrag von 70 bis 90 Euro im Jahr abschließbar sein. (Stand Februar 2019)

Fazit

Jeder Hundebesitzer sollte eine Haftpflichtversicherung für seinen vierbeinigen Liebling abschließen. Selbst der wohlerzogenste und harmloseste Hund kann Schaden verursachen. Und wenn es sich dabei zum Beispiel um einen Autounfall handelt, können schnell Schäden in Millionenhöhe entstehen. Ein Beitrag für eine ausreichende Haftpflichtversicherung liegt deutlich unter 100 Euro Jahresbeitrag und schützt vor diesem Risiko – und das sollte es Dir auch wert sein.

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