Der Weg ist das Ziel: Joggen mit Hund

12.04.2018

Du bist sportbegeistert und lässt Dir gerne eine frische Brise um die Nase wehen? Aber Deine Mitläufer(innen) lassen Dich gerne das eine oder andere Mal sitzen und haben regelmäßig irgendeine Ausrede parat?

Wie wäre es mit Deinem Hund als Jogging-Partner? Raus will er sowieso - und mit der richtigen Motivation leckt er sicherlich Blut, bringt Dich also von alleine auf Trab.

So brauchst Du Dir keine Sorgen zu machen, dass Du Dich alleine motivieren musst.

Dein Vierbeiner übernimmt diesen Job garantiert mit wachsender Begeisterung. Vielleicht sogar so gründlich, dass Du anschließend selbst um Gnade bettelst.

Doch bevor es wirklich ans Eingemachte geht, müssen einige Vorbedingungen stimmen.

Wie gut dirigierst Du Deinen Hund im Alltag und speziell beim Sport?

Du bist das Wesen, das beschlossen hat, joggen zu gehen. Somit ist es Ehrensache, dass Du für die passenden Grundlagen Deinerseits sorgst.

In Bezug auf das Joggen mit Hund bedeutet das:

  • Es existiert eine gesunde Vertrauensbasis zwischen Dir und Deinem Vierbeiner.
  • Er hat gelernt, Deinen Kommandos zügig und umfassend nachzukommen. Er weiß dass Du verlässlich bist und selbst schwierige Situationen mit Menschen oder anderen Hunden souverän zu Deinem und seinem Besten aufzulösen weißt.
  • Du denkst beim Joggen mit Vierbeiner vor allem an das Wohl Deines Hundes. Dein sportlicher Ehrgeiz ist nicht unwesentlich, steht aber nicht im Fokus.

Kurz gesagt: Du bist in der Lage, ihn sicher durch alltägliche Gegebenheiten vor der Haustür zu leiten. Davon abgesehen ist es Dein Hauptanliegen, dass das Joggen für euch beide zu einem positiven Erlebnis wird.

Treffen alle diese Aussagen zu, geht es in die nächste Runde – in der Dein vierbeiniger Kumpel die Hauptrolle spielt.

Eignet sich jeder Hund zum Joggen?

Prinzipiell spricht nichts dagegen, wenn Du mit Deinem Schätzchen mehr als nur durch die Gegend schlappst.

Damit aber wirklich ein positiver Trainingseffekt einsetzt und es nicht zu unbeabsichtigten Schäden auf Hundeseite kommt, hast Du idealerweise folgende Punkte im Hinterkopf:

Alter

Bevor Du mit ihm auf die Piste gehst, sollte Dein Hund unbedingt ausgewachsen sein und über stabile und kräftige Knochen, Bänder und Gelenke verfügen. Nur so halten sie den Belastungen durch das Joggen tatsächlich stand.

Wann ein Kuschelcarnivore alt genug ist, hängt vor allem von seiner Rasse ab. Ein Richtwert ist, dass er mindestens 12, in manchen Fällen besser noch 24 Monate, alt sein sollte. Wobei größere Rassen länger bis zum Auswachsen brauchen.

Wie alt ein Hund maximal zum Joggen sein darf, hängt hauptsächlich von seinem Gesundheitszustand ab.

Grundsätzlich solltest Du es mit einem älteren Hund aber nicht mehr ganz so sportlich angehen lassen. Kleinere und langsamere Runden sind jetzt das Maß der Dinge. Ansonsten kann das Joggen seinen Organismus (Herz-Kreislauf-System und Gelenke) doch sehr belasten.

Rasse

Tendenziell bieten sich viele Hunderassen zum Joggen an; manche besser, einige weniger gut.

Vergleichsweise ungeeignet sind große, schwere Hunde wie Leonberger oder Bernhardiner sowie sehr kleine Hunde mit kurzen Beinen wie Chihuahuas oder Möpse.

Ähnliches trifft auf Vierbeiner wie Whippets oder andere Windhunde zu, die Speed statt Strecke machen wollen.

Sehr beliebte „Jogginghunde“ hingegen sind beispielsweise Dalmatiner, Border Collies, Jack-Russell-Terrier oder Retriever. Bedingung bei letzteren ist allerdings, dass sie keine Probleme mit Hüftdysplasie und anderen Gelenkerkrankungen haben.

Auch Mischlinge kommen ohne Weiteres infrage, falls sie vom Tierarzt als potenzielle Jogger eingestuft werden. Dazu im nächsten Punkt noch mehr.

Konstitution

Ein Hund, mit dem du bedenkenlos joggen gehen kannst, sollte körperlich fit sein.

Dazu gehört in diesem Zusammenhang vor allem, dass

  • sein Bewegungsapparat intakt ist,
  • das Herz-Kreislauf-System zuverlässig arbeitet und
  • die Atmung nicht gestört ist.

Wie schon angedeutet, gelten einige Sonderregeln für junge wie für alte Vierbeiner. Abgesehen davon macht ein genereller Check beim Tierarzt auch so Sinn:

Sehr wahrscheinlich hat er für Dich sicherlich gute Tipps für das Joggen in petto. Vor allem kann er Dir aber wertvolle Hinweise zu möglichen Belastungsgrenzen deines persönlichen Hundes mit auf den Weg geben.

Wesen

Ein wesentlicher Schritt ist geschafft: Du und Dein Hund, ihr seid körperlich ausreichend fit und brennt darauf, die erste gemeinsame Runde zu drehen.

Aber nur, weil er beim Laufen abgeht wie Schmidts Katze heißt das nicht, dass ihr beide ein wirklich harmonisches Duo seid. Dafür muss Dein Hund auch diverse Charakter- und Verhaltenszüge mitbringen:

  • Sehr hilfreich ist das Beherrschen aller wichtigen Grundkommandos und die Fähigkeit, auch bei längeren Strecken ohne größere Ausfallmanöver problemlos an Deiner Seite zu bleiben. Oder sich zumindest nicht ewig weit weg zu entfernen und ohne Angang rückrufbereit zu sein.
  • Weitere dicke Pluspunkte beim Joggen mit Hund gibt es für Sozialverträglichkeit und Gelassenheit gegenüber Menschen und anderen Tieren.
  • In der Tat ist es fast unmöglich, Joggingstrecken ohne andere Lebewesen zu finden. Und genau aus diesem Grund sollte sich Dein Hund beim Joggen nicht allzu leicht aus der Ruhe bringen lassen.
  • Ein gewisser Jagdtrieb auf Hundeseite stellt indes kein grundsätzliches Problem dar, solange Du ihn zu kontrollieren weißt.

Der richtige Ablauf

Jetzt aber, endlich loslaufen und Spaß haben? Fast! Schnapp‘ Dir das richtige Equipment und bedenke noch einige Punkte für die Tour.

Equipment

Keine Joggingrunde ohne das richtige Zubehör für Dich und Deinen Kuschelcarnivoren.

Für Dich gehören selbstredend die passenden Schuhe, der Witterung angepasste Kleidung Oberbekleidung (Shirts, Hosen, gegebenenfalls auch Jacke, Handschuhe und Mütze) sowie etwas zu trinken dazu.

In Bezug auf Deinen Hund steht insbesondere die passende Leine auf der Must-Have-Liste. Am besten ist ein Bauchgurt mit Leine geeignet.

Er bietet Dir den Vorteil, dass er Dich beim Laufen sehr wenig behindert und gleichzeitig eine gute Kontrolle über den vor Dir laufenden Hund ermöglicht.

Praktisch ist zudem ein strapazierfähiges, dehnbares und reflektierendes Material. Dank ihm erkennt man euch beide und eure Verbindung selbst im Dunkeln.

Überhaupt solltest Du beim Joggen mit Hund in der Dämmerung oder bei noch weniger Licht auf ausreichend Reflektoren achten. Sich beim Sport-Machen überfahren zu lassen, ist de facto kein genialer Punkt auf der Trainingsliste – wenngleich es ohne Frage ein einzigartiges Erlebnis darstellt.

Vorbereitung

Bevor Du mit Deinem Hund durchstartest, sollte ihn der Tierarzt, wie schon angedeutet, einmal auf Herz und Nieren prüfen.

Danach ist es an der Zeit, sein Interesse zu wecken.

Lässt sich Dein Hund schon bei einer 500-Meter-zu-Fuß-geh-Strecke sehr leicht ablenken oder sich nicht zum lockeren Laufen an Deiner Seite motivieren? Dann musst Du Dich mit ihm langsam an die Materie herantasten.

Darüber hinaus sollte er in den letzten zwei Stunden vor der Jogging-Tour nichts mehr fressen, weil eine Kombination aus intensiver Bewegung und Verdauungstätigkeit Magen- und / oder Darmverschlingungen nach sich ziehen könnte. Keine schöne Sache.

Und auch für das Absetzen von Kot und Urin braucht ermöglichst vor dem Joggen genug Zeit. Dadurch ist Dein Vierbeiner dann beim Joggen körperlich voll bei der Sache und hängt nicht unfreiwillig neben der Spur.

Die geeignete Strecke finden

Ein fitter und gut gelaunter Hund plus ein souveräner und sportlicher Mensch sind die halbe Miete. Die anderen fünfzig Prozent macht eine möglichst clever gewählte Strecke aus.

Wertvolle Faustregeln dabei sind:

  • Auf einem weicheren Untergrund wie Wiesen- oder Waldwegen laufen Hunde deutlich besser als auf Asphalt oder sogar Schotter.
  • Kein Wunder, weil Dein Schätzchen im Gegensatz zu Dir keine Turnschuhe trägt, die die Fußballen schonen.
  • Hinzu kommt, dass sich Asphalt im Sommer extrem aufheizt und sehr heiß wird. Gerade längere Strecken auf diesem Untergrund sind für ihn in einem solchen Fall sehr unangenehm.
  • Versuche zusätzlich,Strecken auszuwählen, auf denen nicht allzu viele andere Jogger, aber auch Spaziergänger, Radfahrer, Inlineskater oder Reiter unterwegs sind. Dein Hund soll sich zunächst verstärkt auf Dich und das Laufen konzentrieren.
  • Also raus aus Bereichen mit vielen großen Straßen und Getümmel und ab in relativ ruhige Gefilde.

Das Joggen an sich

Du hast an alles gedacht, auf das richtige Equipment geachtet und die Strecke mit Bedacht gewählt?

Vorhang auf und Bühne frei!

Mach‘ Dich gemeinsam mit Deinem Hund auf die Socken – aber schrittweise und in aller Ruhe.

Genau wie Du muss auch Dein Hund zunächst warm werden. Das macht anfänglich kleinere Runden, die Du im Laufe der Zeit ausdehnst, sehr sinnvoll.

Zugleich erleichtern für euch beide angenehme Temperaturen (zwischen einstelligen Minusgraden und etwa 20° Celsius) das Durchhalten ungemein.

Wer hält wie lange durch?

Ein normales Jogging-Tempo und eine bis zu 10 km lange Runde stellen die meisten trainierten Hunde vor keine gigantische Herausforderung.

Idealerweise teilst du die Joggingrunde trotzdem sowieso auf mehrere kleinere Etappen auf, sodass dein Hund zwischendurch ein wenig verschnaufen und die Umgebung erkunden kann.

Das sorgt dafür, dass er insgesamt länger bei der Stange bleibt, weil sein gegebenenfalls vorhandener Drang nach eigenem Entdecken zumindest teilweise befriedigt wird.

Gib klare Kommandos (links, rechts, halt, weiter), ohne ihn beim Laufen mit Ansagen zu überfrachten.

Sind anfangs mehr Kommandos notwendig, trainiere diese erst auf kürzeren Runden, damit Dein Hund nicht durch die große Menge neuer Eindrücke überfordert wird.

Nur Schweiß – weder Blut noch Tränen

Apropos Überforderung: Hunde überhitzen schnell, da sie nicht über den ganzen Körper schwitzen wie ein Mensch. Sondern nur über die Zunge.

Achte beim Laufen also immer auf seine körperlichen Reaktionen wie das Ausmaß seines Hechelns und mache im Zweifelsfall lieber eine Pause mehr.

Genau wie Du muss Dein tierischer Joggingpartner die verbrauchte Flüssigkeit wieder auffüllen. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr muss daher unbedingt einkalkuliert werden.

Falls Du mit ihm nicht gerade an einem sauberen Gewässer vorbeikommst, nimmst Du ihm am besten ausreichend Wasser mit.

Damit sein Körper gut mit den Belastungen durch das Joggen zurechtkommt, sind tägliche gemeinsame Laufrunden nicht zu empfehlen. Dein Vierbeiner braucht mindestens einen Tag Zeit für die Regeneration.

Je nach Lust und Laune auf beiden Seiten spricht aber nichts gegen ein mehrmaliges Training pro Woche.

Alle Freude hat ein zwischenzeitliches Ende

Zugegeben, Joggen kann sowohl Dich als auch Deine tierische Sportskanone süchtig machen. Laufen bis zum Umfallen ist jedoch keine gute Idee.

Viel besser ist es, das Training langsam ausklingen zu lassen und nicht zu abrupt zu beenden.

Ähnlich wie ein Mensch ist ein Hund, der noch mitten im vollen Lospowern inbegriffen ist und schlagartig damit aufhören soll, garantiert irritiert.

Fahr das Tempo lieber langsam herunter und gib Deinem Schatz vor dem Betreten der Wohnung noch die Gelegenheit, „auszulaufen“ und zur Ruhe zu kommen.

Anschließend kontrollierst Du, ob er sich auch nichts in die Pfoten getreten hat. Falls nötig, steht eine Fußverpflegung auf dem Programm.

Und danach warten ein ordentliches Kuschelprogramm inklusive Lob und Leckerli.

Sportlerqualitäten und Schmusebackentum schließen sich ja beim besten Willen nicht gegenseitig aus ...

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