Leinenführigkeit - Wie bringe ich meinem Hund bei ordentlich an der Leine zu gehen

18.08.2018

Hund und Leine klingt nach Topf und Deckel? Mag im ersten Moment so klingen, weil Du es aus dem Alltag so gewohnt bist. In der Tat ist es für einen Hund aber gar nicht so logisch und natürlich, an einer Leine zu laufen. Im Gegenteil: Die meisten Vierbeiner kommen für sich selbst gefühlt hervorragend ohne dieses Zubehör aus – trotzdem kann kaum jemand in Stadt und Land ernsthaft darauf verzichten.

Somit erscheint die Leine zunächst einmal als notwendiges Übel. Doch sobald Du und Dein Hund die Sache mit der Leinenführigkeit sprichwörtlich im Griff haben, entspannen sich viele Situationen mit anderen Menschen, Tieren und dem Straßenverkehr von alleine. Stellt sich nur noch folgende Frage:

Leinenführigkeit – was ist das überhaupt?

Dieser Begriff bezeichnet quasi zwei Fähigkeiten auf einen Schlag:

  • Deine Kompetenz, einen an einer Leine befindlichen Hund vorausschauend und sicher durch die Umgebung, in der ihr euch befindet, zu lotsen.
  • Und, noch viel wichtiger: Auch das entsprechende Fellbündel muss wissen, dass an der Leine bestimmte Regeln herrschen und diese bei der Fortbewegung berücksichtigen.

Soweit, so gut – und einen Hund an der Leine zu führen, mag im ersten Moment einfach anmuten: Halsband um, Leine befestigen und los geht’s.

Allerdings triffst Du sicherlich jeden Tag mehrere Mensch-Hunde-Gruppen an, bei denen der Eindruck entsteht, dass es wohl doch nicht so simpel ist. Besitzer(innen), die stundenlang auf ihren Liebling warten, weil er gerade die Neuigkeiten an einer Laterne ausliest. Oder Gassigänger(innen), die von einem los sausenden Powerpaket mitgeschleift werden. Alles Anzeichen dafür, dass Leinenführigkeit nicht vom Himmel fällt, sondern gleichermaßen von Mensch und Hund geübt werden muss. Wie genau, erfährst Du in den folgenden Abschnitten.

Leinenführigkeit trainieren – die Grundbedingungen müssen stimmen

In aller Regel fällt kein Meister vom Himmel. Das trifft auf die Grundkommandos ebenso zu wie auf die diversen Hundesportarten und eben auch das Laufen an der Leine.

Grundsätzlich lässt es sich mit einem aufmerksamen und schon weitgehend gehorsamen Hund deutlich besser trainieren – was aber nicht bedeutet, dass er deswegen direkt perfekt reagiert. Es liegt also in Deinen menschlichen Händen, die Übungen für Dich und ihn mit positiven Aspekten zu verbinden und Euch die gemeinsame Trainingszeit so angenehm wie möglich zu gestalten.

Was dafür eine besonders große Rolle spielt?

Das richtige Zubehör

Hier ist – wie sollte es auch anders sein – die passende Leine von Bedeutung. Je länger sie ist, desto weiter kann sich Dein vierbeiniger Freund aus Deinem Kommando- und Einzugsbereich entziehen. Was ungünstig ist, um einen Hund an der Leine zu führen; jedenfalls dann, wenn es sich noch um die Trainingsphase handelt.

Gut geeignet sind somit Führleinen wie:

Beide besitzen eine Länge von maximal 1,5 Metern und ermöglichen es Dir und Deinem Hund, dicht beieinander zu bleiben; ohne, dass Ihr Euch direkt auf den Füßen steht. Hinzu kommen (je nach Modell) praktische Details wie ein Haken zum Transport von Leckerlis, Kotbeutel, etc., ein Kurzhaltegriff auf 20 Zentimetern, weiche Handschlaufen aus Neopren und ein leicht zu reinigendes und trocknendes Material (Nylon).

Alternativ kommen auch längere Leinen wie die dreifach verstellbare Führleine infrage, da diese bei Bedarf auch deutlich kürzere Abstände zulässt und je nach Situation sehr flexibel angepasst werden kann. Davon abgesehen solltest Du auch ein für Deinen Hund angemessenes Geschirr oder Halsband besitzen, aber das erklärt sich ja im Prinzip von alleine. Und nun kann es schon fast auf die Trainingspiste gehen, wäre da nicht noch die ….

Frage nach der passenden Erwartungshaltung in puncto Leinenführigkeit

Wie bereits angedeutet, sind die wenigsten Menschen und Tiere perfekt und kommen mit dem untrüglichen Gespür für die beste Handlung in jeder Situation auf die Welt. Von daher löst Du Dich am besten von der Vorstellung, dass das Leinenführigkeitstraining innerhalb eines Nachmittags mit voller Bravour abgeschlossen ist.

Sowohl Du als auch Dein Hund werden einige Zeit brauchen, bis Ihr ein wirklich eingespieltes Team seid und jedes Kommando perfekt ausgesprochen und ebenso perfekt ausgeführt wird.

Gehe also mit einer guten Portion Konsequenz an die Sache heran und versuche, Deinen Vierbeiner möglichst konsequent anzuleiten – erwarte von ihm aber keine Wunder. Schließlich muss er sich erst an die neue Alltagssituation und das Handling gewöhnen und gleichzeitig lernen, dass auch eine ach-so-spannende Umwelt manchmal einfach etwas warten muss.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Der erste Schritt hin zum produktiven Training im Hinblick auf die Leinenführigkeit mag banal klingen, entscheidet jedoch sehr weitgehend über Wohl und Wehe der weiteren Maßnahmen. Nur, wenn Dein Hund etwas Neutrales, besser noch etwas Positives, mit der Leine verknüpft, wird er vernünftig mitmachen

Deswegen lohnen sich anfangs Übungen wie das Apportieren der Leine oder ein ruhiges Leine-Anlegen. Kurz gesagt: Die Leine sollte für Deinen Hund zum Symbol dafür werden, dass er sich nun mit Dir nach Deinen Spielregeln in der Umgebung bewegen darf und dabei souverän von Dir geführt wird. Was ihm in Bezug auf Straßen oder Kontakte zu Artgenossen durchaus eine gewisse Sicherheit bieten kann.

Wenn dieses Manöver geklappt hat, Du Deinen Hund passend gelobt hast und Ihr nun beide top motiviert seid, kommt der erste „richtige“ Schritt:

Die ersten Meter in einer störungsfreien Umgebung:

Stell' dir vor, Du befindest Dich in einer abwechslungsreichen Umgebung, in der unendlich viele Eindrücke auf Dich einprasseln und gleichzeitig verlangt jemand etwas von Dir, was Deine volle Konzentration erfordert. Falls Du Dich damit etwas überfordert fühlst, weißt Du jetzt, wie es Deinem Hund geht, wenn er mitten im Stadtpark trainieren soll brav an der Leine zu gehen. Dass es auf diese Weise mit der Leinenführigkeit wohl nichts wird, dürfte auf der Hand liegen. Probier' es also lieber in der Wohnung oder in einem ruhigen Garten.

Leine Deinen Vierbeiner an und sprich' ihn mit Namen oder einem speziellen Codewort wie „Leine“ an.

Auf diese Weise stellst Du sicher, dass Du seine Aufmerksamkeit hast und kannst nun einige Meter mit ihm zurücklegen. Kommt er gleichmäßig mit und lässt er die Leine locker, belohnst Du ihn direkt – sei es per Lob, Streicheleinheit oder Leckerli.

Bei der ersten Abweichung Deines Fellbündels ...

… sorgst du dafür, dass er Dir wieder seine Aufmerksamkeit schenkt. Ignoriert er Dich, signalisierst Du ihm, dass er Deine Aufmerksamkeit nicht mehr genießt. Wie? Indem Du Dich abwendest und erst dann wieder auf seine Signale reagierst, wenn sich die Leine wieder entspannt. Auch ein Richtungswechsel kann wahre Wunder bewirken, darf aber nicht zu abrupt eingeleitet werden. So wenig, wie Du willst, dass er an der Leine zieht, so wenig darfst Du selbst an ihr und damit an ihm und seinem Hals herumreißen.

Logisch, dass entsprechende Übungen Aufmerksamkeit, zeitlich geschickte Korrekturen und Lob an den richtigen Stellen voraussetzen. Je klarer und eindeutiger Du Dich in Körperhaltung und Sprache verhältst, desto schneller begreift auch Dein Hund, was in puncto Leinenführigkeit Sache ist und desto mehr wird er versuchen, dir zu gefallen.

Selbstverständlich versucht so mancher Wolf-Nachfahre auch, seine Menschen herauszufordern und mit absichtlichem Fehlverhalten zu provozieren. Gehe darauf aber nicht zu sehr ein, sondern mache deutlich, was DU verlangst. Denn die zu ausgeprägte Beschäftigung mit dem Fehlverhalten oder Verbesserungsvorschlag sorgt für alles mögliche – nur nicht für eine Verhaltensänderung zum Besseren hin.

Der Alltag holt Euch ein

Sobald die Grundregeln beim Leinenführigkeit-Trainieren klar sind, steht Euch der Weg in abwechslungsreichere Gefilde offen. Ideal sind Teilstücke auf Strecken, die Du mit Deinem Hund regelmäßig gehst und auf denen Ihr Euch beide gut auskennt.

Prinzipiell ist es immer sinnvoll, den Schwierigkeitsgrad etappenweise zu erhöhen, wenn Du beabsichtigst, Deinen Hund an der Leine zu führen. Eine von vorneherein zu komplexe Situation zieht logischen, aber vermeidbaren Frust mit sich. Und denke daran, dass es für Deinen Liebling auch immer genug Gelegenheiten zum eigenständigen Spielen und Erkunden der Umgebung geben muss.

Nur, wenn Dein Hund etwas Neutrales, besser noch etwas Positives, mit der Leine verknüpft, wird er vernünftig mitmachen

Andere Hunde treffen ...

… kann sich dabei als kniffelige Situation herausstellen. Insbesondere dann, wenn einer der beiden unbedingt zum Artgenossen will und sehr an der Leine zieht. Als Reaktion darauf bringt es aber nicht viel, die Leine besonders kurz zu nehmen, da dadurch lediglich ein größerer Druck auf den Hund aufgebaut wird und er sich noch mehr als sonst „beengt“ fühlt.

Besser: Die Aufmerksamkeit auf Dich lenken und den Hund in aller Ruhe zunächst aus der Situation hinaus führen und dem anderen Hund erst begegnen, wenn auf Eurer Seite Ruhe herrscht.

Leinenführigkeit im Alltag – liebevolle Konsequenz ist das A und O

Keine Arme, keine Kekse – dieses Motto gilt auch, wenn Du Deinen Hund nach dem Training weiterhin regelmäßig an der Leine führst.

Nur dann, wenn Ihr im Takt bleibt und Du das Ganze nicht schleifen lässt, wird sich ein dauerhafter Erfolg einstellen. Schließlich verlässt sich Dein Liebling auf das, was während der Übungsstunden gegolten hat und erhofft sich von Dir ein anhaltend klares Verhalten. Es wäre also das völlig falsche Signal, eine Zeitlang auf jedes Detail zu achten, jede noch so kleine Unaufmerksamkeit und/oder Zugbewegung liebevoll zu maßregeln und ihn einige Tage später einfach wieder sein eigenes Ding machen zu lassen.

Damit liegt die Messlatte auch für Deinen Einsatz, den Hund an der Leine zu führen – und das permanent aufmerksam und souverän – relativ hoch. Aber wie heißt es doch so schön: Man wächst an seinen Aufgaben. Und gemeinsam mit Deinem Hund unterwegs zu sein und relaxed spannende Alltagsabenteuer zu erleben, ist doch garantiert eine der schöneren Herausforderungen!

Fazit

Gute Nerven, Spaß an der Sache und kein Stress – so kommen sowohl Mensch als auch Tier gut durch den angeleinten Alltag. Und falls Du Dir nicht ganz sicher bist, ob Du alles richtig machst, hol' dir einfach noch den ein oder anderen Tipp von einem Hundetrainer oder einer ähnlich kompetenten Person. Dann wird das schon!

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