Stress beim Hund: Wie äußert er sich und was kann ich dagegen tun?

15.12.2018

Ebenso wie wir Menschen können auch Hunde stressigen Situationen ausgesetzt sein und dadurch Verhaltensauffälligkeiten oder gar Krankheiten entwickeln. Dabei sind es oftmals alltägliche Situationen, die Stress beim Hund verursachen. Situationen, mit denen wir Menschen uns längst arrangiert haben, mit denen Hunde jedoch aufgrund mangelnder oder fehlender Anpassungsfähigkeit ein Problem haben. 

Was versteht man eigentlich unter „Stress“?

Unter Stress versteht man ein belastendes einmaliges oder sich wiederholendes Erlebnis, welches sich auf lange Sicht negativ auf die Gesundheit und die Psyche auswirken kann. Während Menschen im Zuge der Evolution gelernt haben, mit unnatürlichen visuellen und akustischen Reizen umzugehen, stellen diese für Hunde meist ein Problem dar. 

Wenn du also merkst, dass dein Hund sich atypisch verhält und Auffälligkeiten aufweist, solltest du zum Tierarzt gehen und ihn untersuchen lassen. Sollte der Arzt keine Krankheitserreger oder sonstige Ursachen für die Verhaltensauffälligkeiten deines Hundes finden, kannst du in den meisten Fällen davon ausgehen, dass dein Hund Stress ausgesetzt ist. 

Welche Ursachen für Stress beim Hund gibt es?

Die Ursachen für Stress beim Hund können sehr vielfältig sein. Da Hunde ebenso wie alle anderen Lebewesen einen einzigartigen Charakter haben, ist es oft schwierig, Stresssituationen zu bestimmen. Während der eine Hund labiler ist und bereits bei einem Film aufgrund von Reizüberflutung Angstzustände und Depressionen entwickelt, machen einem anderen selbst Silvesterknaller kaum etwas aus

Verschiedene Stress-Typen bei Hunden

Diese unterschiedlichen Wahrnehmungen hängen maßgeblich davon ab, welchem Stress-Typ ein Hund angehört. Dabei wird grob zwischen zwei Typen unterschieden, die Stress nicht nur unterschiedlich wahrnehmen, sondern bei denen auch verschiedene Symptome zu beobachten sind.

Stress-Typ A

Der Stress-Typ A ist ein aktiver Typ. Bei Stresssituationen reagiert er neugierig und versucht Probleme stets selbst zu lösen; wenn es sein muss auch durch eine Flucht. Hunde, die diesem Typ angehören, sind oftmals risikofreudig, lebhaft, unberechenbar und verspielt. 

Stress-Typ B

Der B-Typ verhält sich eher passiv und weicht unbekannten Situationen aus. Er beobachtet skeptisch und abwartend aus der Ferne und geht kein Risiko ein. Hunde dieses Typs reagieren auf Stresssituationen oftmals mit einer depressiven Stimmung oder einer erhöhten Zurückgezogenheit. 

Welche Symptome treten beim Hund bei Stress auf?

Wie bereits erwähnt, gestaltet sich die Symptomatik von Hund zu Hund sehr unterschiedlich. Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass A-Typen eher destruktive Verhaltenszüge entwickeln, während B-Typen depressiv oder im Gegenteil aggressiv werden. 

Typische Stressanzeichen für Stresstyp-A sind:

  • Unruhe und Hyperaktivität
  • Panikattacken und Rastlosigkeit
  • Verspannungen und enormer Bewegungsdrang
  • Zerstörungswille (Tapeten abreißen, Dokumente zerstören)
  • Selbstverstümmelung 
  • Herz-Kreislauf Beschwerden

Typische Anzeichen für Stresstyp-B:

  • Vermindertes Selbstbewusstsein
  • Angstaggressionen
  • Verminderter Aktivitätsdrang
  • Depressive Verstimmungen
  • Gefühl der Hilflosigkeit

Auffällig ist, dass im Endstadium beide Typen in eine depressive Phase verfallen und sich für nichts und niemanden mehr interessieren. In dieser Stufe ist es sehr schwer, den Hund wieder aufzupäppeln und ihm neue Lebensfreude zu schenken. 

Wie können Anzeichen von Stress behandelt werden?

Wenn du merkst, dass dein Hund sich anders verhält, solltest du zunächst einen Tierarzt aufsuchen. Kann dieser keine körperlichen Ursachen für die Anomalie feststellen, ist es an dir, die psychischen Ursachen herauszufinden. 

Versuche, dich zu erinnern, seit wann dein Hund die Verhaltensauffälligkeiten aufzeigt und überlege dir, was sich seit diesem Zeitpunkt geändert hat. Selbst, wenn ein Vorgang für dich ganz normal erscheint und nicht wirklich mit seelischem Stress verbunden ist, muss es nicht sein, dass dein Hund dies genauso empfindet. Mögliche neue Situationen können sein:

Ein Familienmitglied hat sich verabschiedet

Dabei muss es nicht sein, dass ein Mensch oder Tier von uns gegangen ist. Es reicht, wenn die Tochter nun in einer anderen Stadt studiert und unter der Woche nicht da ist. Ebenso könnte es ein Grund sein, dass dein kleiner Sohn nun den halben Tag im Kindergarten oder in der Grundschule verbringt oder du länger bei der Arbeit bist. 

Dein Hund hat sich an einen bestimmten Rhythmus gewöhnt. Wenn Arbeit, Schule oder Gewohnheitsänderungen diesen Rhythmus durcheinanderbringen, kann es dem Hund schwer zu schaffen machen, weil er die Änderung einfach nicht nachvollziehen kann. 

Ein neues Familienmitglied

Ebenso kann es sein, dass du ein Baby bekommen oder einen zweiten Hund adoptiert hast. Dein Hund ist in diesem Fall durcheinander, weil sich die Rangordnung im Haus ändert und er nicht weiß, wo er hingehört. 

Ein Umzug oder eine längere Reise

Steht ein Umzug bevor, ist dies nicht nur für dich eine große Veränderung, sondern auch für deinen Hund. Das Mobiliar ist anders, ebenso wie die Zimmer und der Garten. Beim Gassi gehen lauft ihr eine ganz andere Strecke und trefft unbekannte Hunde. Dein Hund wird einfach so aus seinem gewohnten Umfeld gerissen und es ist gut möglich, dass er Zeit braucht, um dies zu verarbeiten. 

Wie kann ich meinem Hund in Stresssituationen beistehen?

Es ist wichtig, dass du ruhig auf die Stresssituation reagierst und deinem Hund das Gefühl gibst, verstanden zu werden. Versuche, Veränderungen so sanft wie möglich einzuführen.

Wenn ihr umzieht, stell den Napf wieder da auf, wo er in der letzten Wohnung stand. 

Wenn du einen neuen Job und somit weniger Zeit hast, informiere dich, ob du den Hund mit zur Arbeit nehmen kannst. Notfalls kann ein Hundesitter engagiert werden, damit dein Hund sich nicht allein langweilen muss. 

Solltest du überhaupt nicht mehr weiterwissen, ist es ratsam, eine Hundeschule zu besuchen oder mit einem Hundecoach zu reden. Dieser kann dir professionelle Tipps geben und gemeinsam entdeckt ihr vielleicht auch schneller die Quelle für das Unwohlsein deines Hundes. 

Fazit

Eine andauernde Stresssituation sollte in keinem Fall auf die leichte Schulter genommen werden. Es ist wichtig, sich in den Hund hineinzuversetzen und wenn möglich, die Ursache für den Stress zu beseitigen. Sollte eine neue Situation den Stress verursachen, ist es wichtig, den Hund langsam an diese heranzuführen und ihn an die neuen Verhältnisse zu gewöhnen. 

Auf jeden Fall muss gegen einen dauerhaften Stress etwas unternommen werden, da anderenfalls ernsthafte psychische und körperliche Schäden die Folge sein könnten. Beachte dabei: Je länger ein solcher Zustand anhält, desto schwieriger wird es, diesen wieder zu beenden. Oftmals hilft nur noch der Gang zur Hundeschule oder zum Coach. In äußersten Fällen kann auch auf die professionelle Unterstützung eines Hundepsychologen zurückgegriffen werden.

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