Hilfe - mein Hund muss zum Tierarzt

27.10.2018

Jeder Hund muss im Lauf seines Lebens diverse Male den Tierarzt besuchen. Das fängt schon beim kleinen Welpen an, der gesundheitlich durchgecheckt und geimpft werden muss. Die ersten nötigen Gesundheitschecks für Welpen erledigen in der Regel die Züchter, ebenso die ersten Impfungen. Doch sobald der Welpe bei Dir eingezogen ist, musst Du Dich um seine Gesundheit kümmern. 

Die ersten Besuche beim Tierarzt - welche Impfungen benötigt mein Hund?

Impfpläne oder Impf-Empfehlungen sehen meistens vor, dass der Welpe ab der 8. Woche gegen mehrere Krankheiten, die im Folgenden noch aufgeführt werden, geimpft werden sollte. Nach Vollendung des 3. Lebensmonats steht dann die Impfung gegen Tollwut an. Die Impfungen sollen in bestimmten Abständen – meist jährlich oder auch mehrjährlich - aufgefrischt werden.

In den letzten Jahren hat es verstärkt Kritik an der gängigen Impfpraxis gegeben. Kritiker sind der Meinung, dass viele Impfauffrischungen nicht jährlich erfolgen müssten. Aber auch Kritiker der üblichen Impfpraxis haben in der Regel nichts gegen die sogenannte Grundimmunisierung von Welpen, die folgende Impfungen umfasst:

  • Staupe
  • Tollwut  
  • Hepatitis Contagiosa Canis  
  • Parvovirose 
  • Leptospirose 

Diese Impfungen werden von der „Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin im Bundesverband praktizierender Tierärzte e.V.“ (StIKoVet) empfohlen. Alle aufgeführten Impfungen werden „Core“-Impfungen genannt. Das bedeutet, dass es sich um Kernimpfungen handelt, die nach Empfehlung der StIKoVet gemacht werden sollten, weil es sich um Erreger besonders schwerer Hundekrankheiten handelt. Diese Krankheiten sind oft tödlich und es gibt gegen sie keine, oder nur unzureichende, Behandlungsmöglichkeiten.

Staupe

Staupe ist eine Virusinfektion. Die Erkrankung führt zu Entzündungen der Lunge, des Gehirns und des Darms. Der Hund infiziert sich durch den direkten Kontakt mit Exkrementen und Sekreten kranker Tiere. Die ersten Symptome sind Fieber, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Durchfall und verstärkter Ausfluss aus Augen und Nase.

Tollwut

Tollwut ist eine Virusinfektion mit dem Lyssa-Virus. Sie verläuft tödlich und wird hauptsächlich durch Bisse übertragen. Typische Symptome sind Schluckstörungen, die starkes Speicheln zur Folge haben und Verhaltensveränderungen, die unterschiedlich stark ausgeprägt sein können.

Hepatitis

Hepatitis wird wie Staupe durch ein hoch ansteckendes Virus übertragen und verläuft tödlich. Typische Symptome sind Übelkeit, Erbrechen und Gelbsucht.

Parvovirose

Bei Parvovirosehandelt es sich ebenfalls um eine hochansteckende Viruserkrankung. Die Hunde stecken sich meist durch das Fressen von verunreinigtem Kot an. Die Inkubationszeit dauert 4-7 Tage. Symptome sind oft starkes Erbrechen, das plötzlich auftritt und lange dauert. Dazu kommt Durchfall, der wässrig ist und auch oft blutig sein kann.

Leptospirose

Leptospirose ist der Name für eine bakterielle Erkrankung, die tödlich verlaufen kann. Die sogenannten Leptospiren werden von infizierten Tieren mit ihrem Urin ausgeschieden. Nicht nur Hunde, sondern auch Nagetiere wie Mäuse oder Ratten können daran erkranken. Die Ansteckung erfolgt häufig durch Trinken aus stehenden, warmen Pfützen oder Gewässern oder durch das Baden in solchen Gewässern. Hunde können sich auch durch den Kontakt mit infizierten Hunden anstecken. Beispielsweise durch Bisse oder bei der Paarung. Achtung: auch Menschen können an Leptospirose erkranken!

Rechtliche Lage zu Impfungen von Hunden in Deutschland

Die rechtliche Lage ist einfach: In Deutschland gibt es keine Impfpflicht für Hunde. Du musst Deinen Hund auch nicht gegen Tollwut impfen lassen, weil Deutschland seit 2008 als tollwutfrei gilt. Wenn Du allerdings vorhast, mit Deinem vierbeinigen Liebling zu verreisen, ist innerhalb der EU eine Tollwutimpfung Pflicht.

Doch jenseits von Rechten, Pflichten und der Gesetzeslage möchte natürlich jeder Hundebesitzer, dass sein tierischer Liebling vor tödlich verlaufenden Krankheiten bestmöglich geschützt ist. Deshalb solltest Du die nötigen Impfungen für Deine Fellnase mit einem Tierarzt Deines Vertrauens besprechen. Denn ein qualifizierter Tierarzt sollte mit allen neuen Entwicklungen zum Thema Impfungen vertraut sein und auch die aktuellen Empfehlungen der StIKoVet kennen.

Wie bereite ich meinen Hund auf einen Tierarztbesuch vor?

Zum Standardrepertoire eines Tierarztbesuches gehört es, dass der Hund abgehört wird, seine Zähne angeschaut werden und ein Blick in die Ohren geworfen wird. Für alle diese Untersuchungen muss der Hund auf den Behandlungstisch und er wird festgehalten, während der Tierarzt seine Untersuchungen macht.

Alle diese Vorgänge, die Deinem Welpen unheimlich sein können, kannst Du schon zu Hause üben. Auch wenn Dein Hund das Welpenalter schon länger überschritten hat, kannst Du selbstverständlich alle beschriebenen Übungen mit ihm machen. Nur ist bei älteren Hunden in der Regel mehr Geduld und längeres Trainieren angesagt, bevor sich Trainingserfolge einstellen.

Auf den „Untersuchungstisch“ setzen

Deine Fellnase kurz auf einen Tisch zu setzen, das sollte kein Problem sein. Der nächste Schritt ist dann, den Hund einen Moment festzuhalten, bevor Du ihn wieder auf den Boden lässt. Und auf keinen Fall das Belohnungsleckerli vergessen!

Kontrolle von Zähnen und Ohren

Auch Untersuchungen von Zähnen und Ohren können spielerisch geübt werden. Wenn Du mit Deinem Hund knuddelst, kannst Du ihm behutsam die Lefzen hochziehen und seine Zähne anschauen. Genauso verfährst Du, wenn Du seine Ohren vorsichtig anfasst und hineinschaust. Ohrenkontrolle ist auch schon deshalb sehr sinnvoll, weil man am Geruch wahrnehmen kann, ob es möglicherweise eine Entzündung im Ohr gibt.

Kontrolle der Pfoten

Sehr hilfreich für Tierarztbesuche ist es auch, wenn Dein Hund problemlos toleriert, dass seine Pfoten untersucht werden. Denn gerade hier gibt es häufig Verletzungen, die behandelt werden müssen, wie zum Beispiel Glassplitter, die im Ballen stecken oder ausgerissene Krallen. Auch hier kannst Du ganz einfach im Spiel üben, dass Du die Pfoten Deines Hundes anfasst und inspizierst.

Maulkorb und Halskrause

Kein Hund findet es toll, wenn er einen Maulkorb umgelegt bekommt. Doch kann es bei bestimmten Behandlungen beim Tierarzt nötig sein, dem Hund einen Maulkorb anzulegen. Vor allem, wenn vorhersehbar ist, dass er mit der Behandlung nicht einverstanden sein und sich wehren wird.

Das Maulkorbtraining kannst Du ganz einfach auch zu Hause machen. Du zeigst Deiner Fellnase den Maulkorb, lässt sie ausgiebig daran schnuppern und setzt den Maulkorb spielerisch auf die Hundeschnauze, ohne ihn zuzuschnallen. Wenn Dein Hund das toleriert, wird er natürlich ausgiebig belohnt. Mit fortschreitenden Trainingseinheiten kann der Maulkorb dann auch zugeschnallt werden, ohne dass Dein Hund ausflippt.

Auch Halskrausen gehören nicht unbedingt zu den Lieblings-Accessoires von Hunden.

Aus Hundesicht sind sie sogar ausgesprochen unfein. Sie hindern den Hund nicht nur daran an der Stelle zu lecken, an die er wegen der Krause nicht heran kommt, sondern machen ihm auch beim ganz normalen Laufen das Leben schwer. Weil er auf einmal nicht mehr durch den Türspalt passt, durch den er sonst immer nach draußen geflitzt ist oder bei Ecken auf einmal anstößt, die er sonst problemlos umrundet hat.

Aber Halskrausen müssen leider manchmal sein – und auch hier lohnt es sich, den Umgang spielerisch zu üben. Das Vorgehen ist genauso, wie schon beim Maulkorb beschrieben. Spielerische Annäherung, vorsichtiges Anlegen und großes Belohnungstheater, wenn Dein Hund das akzeptiert.

Wenn es wirklich dazu kommt, dass Dein Hund eine Halskrause tragen muss, dann gibt es auch Alternativen zu den einfachen Modellen, die man in der Regel beim Tierarzt bekommt. Im Handel gibt es zahlreiche Modelle, zum Beispiel aus laminiertem Nylonstoff in Kombination mit einer festen Schaumschicht. Sie sind nicht so starr wie die Plastiktüten der einfachen Modelle und machen Deinem Hund das Leben mit Halskrause deutlich angenehmer.

Termin beim Tierarzt vereinbaren

Auch das ist sehr sinnvoll, um lange Wartezeiten zu vermeiden, die einen ängstlichen Hund nur noch nervöser machen. Die meisten Tierärzte bieten einen Terminservice an – und den solltest Du auch nutzen.

Geteiltes Leid ist halbes Leid ...

Dieser alte Spruch gilt sowohl für Hunde als auch für Hundebesitzer.

Wenn Du beim Tierarztbesuch total nervös und ängstlich bist, überträgt sich das auf Deinen Hund. Im Umkehrschluss heißt das, je ruhiger Du bist, desto ruhiger wird auch Dein Hund. Deshalb kann es Wunder wirken, wenn Du zu Deiner seelischen und moralischen Unterstützung beim Tierarztbesuch einen guten Freund oder eine gute Freundin mit nimmst.

Das Gleiche funktioniert übrigens auch bei Hundefreunden. Wenn Dein Hund einen Kumpel hat, der kein Problem mit Tierarztbesuchen hat, dann lohnt es sich den befreundeten Hund zum Tierarztbesuch mitzunehmen. Wenn sein bester Kumpel keinen Stress in der Praxis hat, kann das auch eine beruhigende Wirkung auf Deinen vierbeinigen Liebling haben.

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